Digitale Trauerfeier – die etwas andere Video-Konferenz

Aktualisiert: 24. Juni


Abschiednehmen im virtuellen Raum.


Virtuelle Gedenkfeiern lassen sich würdevoll und kreativ gestalten. Viele Menschen haben während der Pandemie gelernt sich sicher in der digitalen Welt zu bewegen, die Videokonferenz Software Zoom für die eigenen Bedürfnisse sinnvoll einzusetzen. Dieses Wissen lässt sich weiterhin kultivieren, ob es nun um einen Sterbefall in der Familie, oder um die Trauer am Arbeitsplatz geht, es gibt viele heilsame Formen des Abschiednehmens.



Tante Liese ist 87 Jahre alt, seit einigen Jahren lebt sie in London, ihre Jugendfreundin Carla ist kürzlich in München verstorben. An der Beisetzung auf dem Westfriedhof konnte Tante Liese nicht teilnehmen, denn zu reisen ist ihr aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr vergönnt. Selten verlässt sie ihre Wohnung in Notting Hill, mit der weit verstreuten Verwandtschaft kommuniziert sie rege via iPad. Die täglichen Bilder und Nachrichten im Familienchat bereiten ihre große Freude, mit der Technik kommt sie klar.


Zeitversetzte Digitale Feiern zur Ergänzung


Carlas Enkel Moritz hatte kürzlich einen Online-Artikel zum Thema Digitale Abschiedsfeiern gelesen. Das bringt ihn auf die Idee, für seine verstorbene Großmutter Carla solch eine Feier zu gestalten. Im Familienchat wird die Möglichkeit einer Digitalen Gedenkfeier hin und her diskutiert, nicht jeder findet die Idee prickelnd, doch die Mehrheit ist letztendlich dafür. Ein Termin wird ins Auge gefasst. Moritz recherchiert im Netz und stolpert über mehrere Angebote, darunter auch dieses https://www.herzenstrost.de/digital


Videokonferenzen sind inzwischen Salon fähig


Als freie Trauerrednerin und Trauergestalterin bin ich offen für alle Arten des Abschieds. Obwohl ich als Naturmensch meine Trauerreden am liebsten bei Wind und Wetter im Freien halte, ist mir die digitale Welt durchaus vertraut. Nicht erst seit der Pandemie ist das Videokonferenz-Tool Zoom zu einem wichtigen Arbeitsutensil geworden. Selbst bei meiner Ausbildung auf dem Trauerreden-Campus.de hatte ich, lange vor Corona, mit Hilfe von Zoom einige Ausbildungs-Module absolviert.


Keine Angst vor der Technik


Hin und wieder nutze ich Zoom auch für Angehörigengespräche, denn nicht immer wohnen die Angehörigen in unmittelbarer Nähe. Ist die Scheu vor der Technik erst überwunden, funktioniert die Kommunikation von Bildschirm zu Bildschirm erstaunlich gut. Wichtig sind eine gute Vorbereitung, technische Hilfestellungen, sowie eine wertschätzende Moderation.


Eine digitale Trauerfeier im Familienkreis


Die Feier für Carla beginnt mit einer persönlichen Begrüßung, 37 Gäste im Alter von 12 bis 90 Jahren nehmen an der digitalen Abschiedsfeier teil. Menschen aus Berlin, München, London, Rom und Sidney sind mit dabei. Zunächst gibt es ein großes ‚Hallo‘, denn viele der Zugehörigen haben sich längere Zeit nicht gesehen. Der offizielle Teil der Feier beginnt mit Live-Musik: in Echtzeit spielt ein Italienischen Gitarrist, der sich aus München dazu geschaltet hat, auf seinem Instrument. Als erstes gibt er Carlas Lieblingslied zum Besten, „Via con me“ von Paolo Conte, weitere Musikstücke folgen im Laufe der Feier. Im Anschluss folgt eine mit Musik unterlegte Bildershow, die Fotos zeigen wunderbare Eindrücke aus Carlas Leben. Moritz hat über das Leben seiner Großmutter eine beeindruckende PowerPoint Präsentation auf die Beine gestellt. Für weitere Musik aus der ‚Konserve‘ wurde vorab eine Playlist angelegt.


Die Trauerrede als zentrales Element


Nun wird es Zeit für die sorgfältig ausgearbeitet Trauerrede. In gut 30 Minuten Redezeit, die durch weitere Musikstücke und stille Gedenkpausen aufgelockert wird, blitzt das Leben der feinen alten Dame noch einmal auf. Die Trauergäste sind ergriffen, es wird geweint, es wird gelacht, – alle zusammen tauchen in die schönen Erinnerungen ein.


Die Feier neigt sich dem Ende zu, sie ist dank der Offenheit, sowie der guten Zusammenarbeit mit den Angehörigen wunderbar gelungen. Zum Schluss spreche ich einen Segen und ein letztes Lied erklingt. „Diese Feier hätte unserer lieben Carla gefallen!“, sagt Tante Liese. Die Gedenkfeier ist beendet, die Monitore gehen aus.



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